Fahrwerksumbau einer Yamaha XT660Z Tenere 2008
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Etwa 2007 stellte Yamaha relativ überraschend die neue 660er Einzylinder-Tenere
mit einem polarisierenden Design vor. Damals fand ich es bereits bemerkenswert,
aber das Fahrzeuggewicht schien mir für einen Einzylinder zu hoch.
Im Anschluss an den Verkauf meiner Yamaha Tricker hatte ich mir eine 2009er WR250R gekauft. Bei einem der Servicetermine wurde mir von meiner Werkstatt eine 2008er XT660X Pseudosupermoto leihweise überlassen. Ohne mich mit Ergonomie und Fahrwerk dieses Gerätes anfreunden zu können, genoß ich die bullige und lässig rauhbeinige Motorcharakteristik dieses schweren und gar nicht sehr starken Einzylindermotors auf Anhieb, und dieser Motor kam dank seiner Schwungmasse und Charakteristik mit dem hohen Fahrzeuggwicht der X problemlos und unangestrengt klar. Während zweier Tage mit der Leih-X blieb dieser Eindruck. Da aber weder X noch R für mich interessant schienen, erinnerte ich mich der erwähnten neuen Tenere, und sie wurde erstmals genauer in Augenschein genommen. So begann diese Geschichte, und so begann mein bisher (und hoffentlich ein für alle Mal) größter und teuerster Motorradumbau, der glücklicherweise dank der beteiligten fähigen professionellen Betriebe zu meiner Zufriedenheit ausfiel. Die Tenere wurde Mitte 2009 aus einem Internetcafe in meinem Italienurlaub bei meinem Händler geordert: in der 2009 nicht mehr verfügbaren Farbe "competition white". Mein Händler hat mir anstandslos eine neue weiße besorgt.
Die neue Tenere machte Freude so wie sie war. Ein Umbau wie er hier gezeigt wird, ist keineswegs nötig, um mit diesem Motorrad Spaß zu haben. Aber gerade weil mir dieser robuste und entspannte Abenteuertourer im Endurostyle mit diesem bemerkenswerten vielzitierten Transformer-Design und eingebautem Fernweh so viel Spaß machte, entstand die Idee: Ausgehend von den optisch unpassend dürren Gabelrohren in herkömmlicher Konstruktionsweise mit funktionell-rustikalen schwarzen Faltenbälgen und den ebenso reizlosen Gussgabelbrücken formte sich die Vorstellung einer aktuellen voluminösen Upside Down Gabel in gefrästen Alubrücken. Im folgenden könnt ihr lesen, was dabei von Winter 2009/2010 bis Herbst 2010 sonst noch so geschah.
Aber kommen wir als erstes zu den Fakten für die technisch Interessierten und Bilderfreunde. Der Text mit den Details zum Umbau folgt weiter unten.
In diesem Absatz umreisse ich kurz die zentralen Angelegenheiten und Probleme des Umbaus, ohne näher darauf einzugehen. Details zu den einzelnen Punkten findet man in den darunterstehenden Blocks.
Die Idee zu einem derartigen Umbau kam tatsächlich bereits bei der Erstbesichtigung des Fahrzeugs beim Händler auf. Aufgrund der ungewissen Machbarkeit und der hohen Kosten erschien es aber zunächst unrealistisch.
Doch dann kam der schlagende Machbarkeitsbeweis: JMo's Rallyeumbau der XT660Z Tenere. Dieser radikale und individuelle Umbau einer ambitionierten Rallyefahrerin ging durch alle gängigen Foren und begeisterte viele. Und er bewies unter anderem, daß eine WP48 Gabel mit entsprechenden Gabelbrücken in der Tenere Platz finden kann und funktioniert. Sobald ich dieses Umbaus gewahr geworden war, begannen langwierige Diskussionen und Forschungen zu Details und Problemen einer solchen Konvertierung.
Massgebliche Teile des oben genannten JMo Rallye-Umbaus werden von der Firma Off the road hergestellt, die neuerdings auch einen völlig eigenen Tenere Rallye-Umbau anbietet.
Sowohl der JMo Umbau als auch der Off-the-road Umbau verwenden ein 18" Hinterrad, um auf typische Rallyesportreifen zurückgreifen zu können. Die Umrüstung auf ein größeres Hinterrad wirft aber zahlreiche Fragen auf und zieht u.U. weitere Änderungen zwingend nach sich.
Eng mit der Frage der Hinterradgröße verknüpft ist das Thema Endtopf. Soll der Serienendtopf weiterverwendet werden können?
Wenn die Umrüstung wie in den mir bekannten Fällen auf eine WP48 Gabel mit einseitiger Bremse vorgenommen wird, so muss zum einen die neue Geometrie und der erhöhte Federweg eingeplant werden, zum anderen eine für den Einsatz geeignete Bremsanlage konfiguriert werden. Der Einsatz typischer Supermotobremsen ist kritisch, da in Endurokonfiguration mit 21" Vorderrad i.d.R. nicht genug Platz für eine breite 4-Kolben-Bremszange ist.
Die Verwendung anderer Gabelbrücken erfordert sehr genaue Planung. Hier geht es nicht nur um ausreichend Platz für die grösseren Abmessungen, sondern auch um Lenkeinschlag, Gabelschaft/Lenkkopflager, Länge der Gabel, Federweg, Negativfederweg, resultierende Geometrie, Vorlauf und weitere Parameter, die abgestimmt sein müssen.
Gleiches gilt für den Einsatz eines Customfederbeines. Die Tenere hat engste Platzverhältnisse hinten. Nur wenige hochwertige Federbeine passen. Der Hub muß genau angepasst werden, da er bauartbedingt strikt limitiert ist durch Endtopf und Umlenkhebel. Die korrekte Funktion von Haupt-/Seitenständer muß weiter gewährleistet sein.
Mühsam und teuer sollte sich auch die Planung und Montage des untenliegenden GFK Frontkotflügels gestalten.
Unbedingt abgeklärt muß die Typisierbarkeit der Umbauten werden, sonst ist die Investition vergebens, sofern ein Einsatz in unserem Gebiet vorgesehen ist.
Unter Berücksichtigung der obigen Punkte und der voraussichtlich zahlreichen Unwägbarkeiten im Laufe des Projektes habe ich mich entschlossen, den Umbau durch Firmen in meinem Umkreis ausführen zu lassen, um längerfristig Ansprechpartner zu haben. Diese Entscheidung stelle sich als richtig heraus. Dass die beiden hauptausführenden Betriebe in meiner Nähe sind, darf man dabei als glückliches Schicksal werten.
Im Herbst 2009 begannen also die Arbeiten an meinem Tenere-Umbau: Phase 1 mit Gabelumbau, Fertigung der oberen Gabelbrücke, Radsatz und Bremsanlage war im Frühjahr 2010 fertiggestellt unter Verwendung einer unteren KTM Gabelbrücke. Daraufhin folgten Lackierarbeiten, und schließlich bis August 2010 die Phase II: das neue Federbein und die Anfertigung der unteren Gabelbrücke.
Ein sehr wichtiges Ziel war für mich, dass mein Umbau 100% auf Serienzustand zurückgerüstet werden kann. Dies wurde auch eingehalten. Abgesehen von lackierten Plastikteilen könnte man diese Tenere mit wenig Aufwand bis ins kleinste Detail wieder in den Originalzustand versetzen. Weder der Kabelbaum, noch der Motor, noch die abgebauten Originalteile wurden geändert. Bis auf die Eintragungen im Fahrzeugbrief ist alles reversibel und muss nur ausgetauscht werden.
Als ideale Umrüstgabel für die Tenere erschien die WP48 Gabel (Typ MX4860)
in der Spezifikation der neuen LC4 690 Enduro mit 25cm Federweg.
Vergleicht man diese Gabel mit der serienmässigen Gabel der Tenere, so
erhält man etwa folgende Werte:
| Seriengabel mit Serienbrücken | WP Gabel mit zugeh. KTM Brücken | |
|---|---|---|
| Federweg | ca. 21cm | ca 25cm |
| Gabellänge unkomprimiert | ca. 90cm | ca 89cm |
| Gabellänge komprimiert | ca. 69cm | ca 64cm |
| Gabelbrückenvorlauf | 25mm | 24mm |
Es ist anhand dieser Werte damit zu rechnen, daß bei Verwendung der WP Gabel in gleicher Einbauhöhe wie bei der Seriengabel nicht genug Platz zum vollen Einfedern des Vorderrades vorhanden ist. Es ist unwahrscheinlich, daß bei der Serienkonfiguration im voll eingefederten Zustand 5cm Luft zwischen Kühler und Frontkotflügel bleiben. Man hat zwei Möglichkeiten: Verringerung des Federwegs der WP-Gabel, also ein Einfederstop, oder aber Veränderung der Einbauhöhe der Gabel, um den nötigen Platz zu schaffen. Ersteres wollte ich unbedingt ausschließen, da ich diese Lösung unbefriedigend finde. Somit kam nur ein spezielles Design der Gabelbrücken in Frage, welches ich im nächsten Block erläutere. Die Gabelklemmhöhe muß so einstellbar sein, dass es in keinem Betriebszustand zu einer nennenswerten Berührung zwischen Frontkotflügel und Kühler oder anderen Fahrzeugteilen kommt.
Gabelsetup: Die Gabel wurde mit unveränderten Settings der KTM 690 Enduro verbaut, und dies funktioniert ausgezeichnet. Es war nicht nötig, die Gabel für die schwere Tenere härter abzustimmen, da ohnehin mehr Negativfederweg erwünscht war. Das Härte- und Dämpfungspotential dieser Gabel reicht für die Tenere erstaunlicherweise aus.
Der Gabelumbau wurde von der Firma Haslacher ausgeführt.
Mit der Massanfertigung der oberen Gabelbrücke (später auch der unteren) wurde das Ziel angestrebt, die Gabel so viel tiefer zu setzen, daß sie mit vollem Federweg von 25cm fahrbar ist, ohne daß im voll komprimierten Zustand der Kotflügel bzw. sogar das Rad im Kühler einschlägt. Die Formgebung der oberen Brücke wurde so gewählt, daß die Gabel im Vergleich zur Seriengabel etwa 3cm tiefer gesetzt wurde. Unter Ausnutzung sämtlicher vorhandener Toleranzen beim Einfedern und bei einer relativ knapp gewählten Montage des Frontkotflügels über dem Vorderrad war das Ziel haarscharf erreichbar. Zu berücksichtigen ist, dass die Toleranzen nochmal verringert werden, wenn man im bremsenden Zustand einfedert, da sich die Gabel nach hinten verwindet und man dadurch zusätzlichen Abstand braucht. Um dies alles sicherzustellen, muß man die oberen Gabeldeckel entfernen und die Gabel testweise vollständig einfedern, dann noch ca 1cm für den kaum mehr kompressiblen Hydrostop dazurechnen.
Weiteres Problem ist der Lenkeinschlag. Hier wurde mit flachen Schraubenköpfen bei den Befestigungsschrauben der Lenkschlossabdeckung gearbeitet und die obere Gabelbrücke nachträglich nochmal entsprechend ausgefräst, um etwa den serienmäßigen Lenkeinschlag erhalten zu können.
Als Material für die gefrästen Gabelbrücken kam Alu7075 zum Einsatz. Die Brücken wurden mit einer passend gewählten Typbezeichnung graviert und rot eloxiert, wobei eine lange Verweildauer im Eloxalbad vonnöten war. Sowohl für die Erstkonfiguration mit oberer Massgabelbrücke und unterer KTM Gabelbrücke, als auch für die endgültige Konfiguration mit zwei Massbrücken musste jeweils auch ein passender Gabelschaft gedreht werden, damit die Gabel mit dem serienmässigen Lenkkopflager der Yamaha XT660Z Tenere montierbar ist. Schlussendlich mußten entsprechende Bohrungen in der oberen Brücke für das Lenkschloss in passendem Einschlagwinkel angebracht werden.
Sämtliche in diesem Absatz beschriebenen Arbeiten wurden von der Firma Haslacher ausgeführt.
Ein für mich sehr mühsames und aufwendiges Teilprojekt war der Frontkotflügel. Wer hier Geld und Zeit sparen will, passt sich einfach einen obenliegenden Endurokotflügel an, und die Sache ist mit EUR 30.- erledigt. Als untenliegende Kotflügellösung kommt beispielsweise ein gängiger KTM Kotflügel von den LC8 Modellen oder der 2007er LC4 Adventure in Frage. Man liegt bei etwa EUR 170.- für ein bereits lackiertes einbaufertiges Teil. Dies wäre aus heutiger Sicht meine Empfehlung.
Die Firma African Queens stellt untenliegende Kotflügel für die WP48 Gabel her. Aktuell hat man eine teure Carbonversion im Programm. Früher wurde der Kotflügel auch in GFK gefertigt, aber das wurde aus dem Programm genommen. African Queens hat sich aber netterweise bereit erklärt, nochmal ein GFK Einzelstück für mich anzufertigen. Dies war mit EUR 160.- die günstigste Variante. Die nötige Lackierung samt Vorbereitung usw. hatte ich bei der Planung leider verdrängt.
Schwierig wurde es nun mit der Befestigung dieses Kotflügels an der Upsidedown Gabel. Der Kotflügel darf ausschliesslich an den Gabelfäusten befestigt werden. Linksseitig hat man hier den Bremszangenträgerarm. Rechtsseitig gibt es nichts. Hinzu kam die Bedingung, daß der Kotflügel sehr knapp verlegt werden musste, um maximalen Freiraum zum Kühler beim Einfedern des Vorderrades zu lassen.
Die französische Firma Mecasystem bietet ein Befestigungskit für Frontkotflügel im KTM Stil an WP48 Gabeln an. Darin enthalten sind zwei vordere Bügel für die Verschraubung des Kotflügels vorne an den Gabelfäusten. Zudem enthält das Kit zwei stabile asymmetrische Blechteile, die zur Befestigung der hinteren Streben des Kotflügels dienen. Dieses Posting im Advrider Forum zeigt das Mecasystem Kit. Das Kit würde den Kotflügel geringfügig zu hoch für meinen Anwendungsfall setzen. Es war somit vonnöten, ein eigenes Befestigungskit aufzutreiben oder anzufertigen.
Nach der zeitaufwendigen und sinnlosen Eigenanfertigung zweier Prototypen wurde mir
nach langer Suche der große
Schlossereibetrieb Pfeffer Franz
in Freilassing empfohlen. Witzigerweise kam die Empfehlung von einem TÜV Prüfer.
Danke an dieser Stelle. Bei der Firma Pfeffer wurde ich sehr freundlich beraten und
schliesslich hat mir deren Blechexperte das Kotflügelbefestigungskit auf Mass
aus stabilem Nirostahlblech perfekt angefertigt. Der spätere Einsatz des umgebauten Motorrades
zeigt, daß hier keinesfalls gepfuscht werden darf. Der Kotflügel vibriert stark und
würde schwaches Material oder schlechte Abkantungen usw. mit Sicherheit zum Bruch bringen,
was in Fahrt großen Ärger verursachen würde. Die angefertigen Teile sind in den beiden
Bildern zu sehen.
Die Anfertigung eines passenden Federbeines gestaltete sich als zeitaufwendige Arbeit.
Der erste Plan, ein WP MX Federbein mit XTRIG Vorspannungsverstellung zu verwenden, musste verworfen
werden, da für derartige Sportfederbeine kein Platz ist. Weder Durchmesser, noch die feste Länge
des Federbeines wären unterzubringen.
Somit wurde das WP 4014 Federbein herangezogen. Meine Vorstellung war, ein Federbein mit festem
Ausgleichsbehälter zu verwenden. Die Firma Haslacher hat 2 Tage lang Federbeine aus Einzelteilen
konfiguriert und die Ausgleichskammer in allen denkbaren Festpositionen (längs und quer) verbaut.
Es fehlten jedesmal wenige Millimeter in bestimmten Einfedersituationen. Der Platz war für die
voluminöse WP Ausgleichskammer zu eng.
Fast wäre es dann mit einem querliegenden Ausgleichsbehälter doch noch geglückt,
wenn man den Lufikasten minimal versetzt hätte, jedoch konnte dann nach der langwierigen
Anpassung der Endtopf nicht mehr sinnvoll montiert werden. Der Krümmer wäre zu dicht
am Ausgleichsgefäss gelegen und haette die Montage verhindert. Auch hier ging es um wenige
Millimeter.
Dies war nun der Zeitpunkt, wo wir uns für die Lösung eines per Stahlflexdruckleitung
verbundenen Ausgleichsgefässes entschieden, welches ähnlich wie beim Wilbers Federbein
für die Tenere rechts am Heckrahmen aufgehängt wird.
Mittels einer eigens angefertigten Aluschelle wird auch der Drehknopf der hydraulischen
Federvorspannungsverstellung an der rechten Heckrahmenstrebe angebracht.
Diese sehr aufwendige Arbeit hat sich gelohnt. Das neue Federbein ist bei meinem Umbau die am stärksten spürbare Verbesserung.
Anpassung und Einbau des Federbeins wurden von der Firma Haslacher ausgeführt.
Räder sind zum einen bestimmende Optikteile, zum anderen der erste Ansatzpunkt für Gewichtseinsparungen. Die naheliegende und auch gut zu beschaffende Kombination ist ein Radsatz mit Excel Felgen und Talon Rädern. Talon baut Hinterradnaben mit Ruckdämpfern, wie es sich für Asfalteinsatz eines grossen Einzylinders empfiehlt. Allerdings muß die Nabe abgedreht werden, um verwendet werden zu können, da Talon keine Naben für die Tenere Schwinge im Programm hat. Passende Hülsen werden auf Mass gedreht. Als Vorderradnabe kann eine bereits passende Nabe im Format aktueller KTM Enduros eingebaut werden. Vorne wie hinten brauchen wir neue Bremsscheiben, hinten auch ein neues Kettenblatt mit den serienmässigen 45 Zähnen.
Die Tenere hat eigentlich ein 17" Hinterrad mit einer 2,75" breiten Felge. Das Einpassen eines 18" Hinterrades ist Massarbeit und erfordert i.d.R. einen Nachrüstendtopf, da sonst zum Einfedern zu wenig Platz ist. Hier geht es um Millimeter. Haupt- und Seitenständer müssten höchstwahrscheinlich verlängert werden, um mit vergrössertem Hinterrad noch ordentlich zu funktionieren, und die Antriebskette muss verlängert werden, damit das Rad etwas nach hinten gesetzt werden kann, so daß vorne in der Schwinge genug Luft bleibt. Man benötigt außerdem die Austragung der Reifenbindung, da die Raddimension geändert ist.
Nach langem hin und her entschied ich mich daher gegen ein 18" Hinterrad, da es für meinen Einsatz unnötig war. Nun galt es, eine 17" x 2,75" Excel Felge ausfindig zu machen, um die serienmäßige Raddimension beizubehalten. Dies misslang mir zum Umbauzeitpunkt. Die Firma lolo.at konnte eine 17" x 3" Excel Felge liefern, was dankbar eingespeicht wurde. Touratech beispielsweise bietet für dieses Motorrad nur eine 3,5" breite Excelfelge für einen Hinterradumbau an, was unnötig breit erscheint. Inzwischen kann die Firma Off-the-road eine 2,75" breite 17" Excelfelge fuer die Tenere anbieten. Zu spät für meinen Umbau, aber sehr interessant für weitere derartige Projekte.
Somit wurde ein Radsatz aus schwarzen Excel Felgen in 17" x 3" (hinten) und in 21" x 1,85" (vorne) und roten Talon Naben passend für aktuelle KTM Modelle eingespeicht. Beim Hinterrad mußte die Nabe bearbeitet und passende Hülsen für die serienmässige Achse der Tenere gedreht werden. Vorne passte die Kombination ohnehin. Es kamen neue Bremsscheiben und ein passendes Kettenblatt zum Einsatz.
Die in diesem Absatz beschriebenen Arbeiten wurden von der Firma HE-Motorradtechnik ausgeführt.
Die Umrüstung auf eine einseitige Bremsanlage am Vorderrad bedurfte längerer Überlegungen
und einiger Experimente. Für ein reines Offroadmotorrad reicht eine einseitige Enduroscheibe
locker aus. Man hätte auf die halbierte Serienbremsanlage (Standard Brembo 2-Kolben Zangen)
mit passender billiger Pumpe zurückgreifen können, und zusammen mit einer passenden
Enduro-Wavescheibe samt Adapter so eine sehr preisgünstige gute Bremse erhalten.
Im Falle dieses Umbaus war aber Passfahren und Langstreckentouring sogar mit Sozia und Gepäck ein nicht auszuschliessender Einsatz, und dies erfordert im Notfall eine stärkere Bremse. Ich habe verschiedene Lösungen in Erwägung gezogen, beispielsweise verschiedene optisch hübsche Braking Bremszangen (wenngleich ich mit einer früheren Braking Supermoto Bremszange keine sehr guten Erfahrungen gemacht hatte). Hinzu kamen gewisse Vorstellungen in Bezug auf die Optik des Systems und auch eine mögliche Gewichtsersparnis.
Zum anderen war meine Anforderung, das Fahrzeug modular und reversibel zu zerlegen und aufzubauen, um einen Rückumbau ggfs. so einfach wie möglich zu halten. Somit bestand also der Wunsch, die komplette betriebsfähige Serienbremsanlage ungeöffnet und unzerlegt als Gesamtsystem beiseite zu legen, so wie dies auch bei den anderen ausgetauschten Teilen der Fall war.
HE-Motorradtechnik hat dann schließlich das Unmögliche möglich gemacht, und die Magura Supermoto-Radialbremszange mit Hilfe eines massgefrästen Adapters auf Millimeterbruchteile eingepasst. Die Abstände sind beängstigend gering, aber alles funktioniert wie es soll. Neoprengabelschützer können leider mangels ausreichenden Einfederabstands zur Bremsscheibe nicht montiert werden. Es kommt neben dem Adapter auch ein Unterlegring bei der Bremsscheibe zum Einsatz.
Als Bremspumpe wurde die Magura 195 Radialpumpe mit Kolbendurchmesser 13mm eingesetzt. In Kombination mit dem Magura X-Line EX Lenker muss man mit der Lenker- und Hebelposition aufpassen, weil einfach beim Einlenken wenig Platz ist. Die untere Hohlschraube an der Magura Pumpe kollidiert zudem mit den unten verlegten Gaszügen des Gasgriffs. Hier muß man die Armaturen in geeignetem Winkel zueinander montieren, was durch die nötige Bohrung im Lenker für den Gasgriff erschwert wird.
Zur Verlegung der Bremsleitung wurde die Bremsleitungsführung der Yamaha WR250R nebst deren Führungsösen verwendet, die bezahlbar zu bestellen waren. Die Ösen wurden an einer der unteren Gabelbrückenklemmschrauben mitbefestigt.
Die ausgezeichnete Bremswirkung des neuen einseitigen Systems ist dem alten Zweischeibensystem locker ebenbürtig. Allerdings war die sehr weiche Dosierbarkeit des serienmäßigen Systems nicht ganz aufrechtzuhalten. Man kann nicht alles haben. Die Wunschziele mit der neuen Anlage wurden auf jeden Fall erreicht bzw. übertroffen.
Die in diesem Absatz beschriebenen Arbeiten bezüglich der Bremse wurden von der Firma HE-Motorradtechnik ausgeführt.
Als Wetterschutz werden Acerbis Uniko Koren Handschalen verbaut. Diese werden nur außen am Lenker befestigt, sind aber dennoch solide. Für eine innere Befestigung wäre zumindest auf der Seite der Radialbremspumpe kaum Platz gewesen. Zudem mußten die Plastikschalen innen bearbeitet werden, um beim Einschlagen nicht mit der Scheibe zu kollidieren.
Die schweren ausladenden übergroßen Rückspiegel der Tenere wurden gegen edlere kleinere Magazi universal Spiegel der Firma Louis getauscht.